Mnemosyne Teil VIII

Der Bilderatlas von Aby Warburg

Am Freitag, den 12. Juli 2013, um 18.00 Uhr präsentiert der 8Salon in seiner 8. Veranstaltung zum Bilderatlas von Aby Warburg die Tafeln 40 bis 45, insgesamt sieben neue Tafeln (unter der Nummer 41 gibt es zwei). Ausführlich besprochen werden an dem Abend die Tafeln 40 bis 42, wozu wir die Baustelle 7 vorlegen wollen. In diesem Rahmen haben wir Marcus Hurttig, zur Zeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Museum der bildenden Künste Leipzig, zu einem Beitrag eingeladen. Er hat vor zwei Jahren an der Hamburger Kunsthalle eine Ausstellung zur „Geburt der Pathosformel“ aufgebaut, die im letzten Jahr im Wallraf-Richartz-Museum zu sehen war und in diesem Herbst nach London in die Courtauld Gallery geht. Die Tafel 41 war für die Forschung zu dieser Ausstellung von besonderer Bedeutung, da Warburg auf ihr das Bild des Orpheus, der von den rasenden Mänaden zerrissen wird, als entscheidendes Motiv einführt. Der Todeskampf des antiken Sängers ist Teil einer kurzen Etappe, die den Stand der Pathosformel um 1500 (oder nach Botticelli, Tafel 39) erfasst: die Beispiele beginnen auf Tafel 40 mit dem rauschenden Triumphzug, in dem Ariadne und Dionysos (noch von Botticelli) ihre Hochzeit feiern, und führen über Medea und Orpheus bis zum Schicksal des Laokoon (Tafel 41 a). Warburg entwickelt all diese antiken Formeln jedoch in der Spannung zu christlichen „Gegenbildern“: die tanzenden Mänaden zeigt er neben den aufgewühlten Müttern, die verzweifelt um ihre Kinder flehen (Bethlehemitischer Kindermord auf Tafel 40); die männlichen Gottesdiener (Orpheus, Laokoon), die ihren Tod durch die Schlange oder tobende Frauen finden, stellt er neben das Opfer der Christen: Jesus im Moment der Grablegung. Er hat sein Leid auf sich genommen; die Erregung der Frauen ist zum Ausdruck der Trauer gewendet (Tafel 42).

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