«Die Kunst, die Kunst – ich pfeife auf die Kunst»

Arthur Cravan im Ring mit 13 Künstlern unserer Zeit

«Die Kunst, die Kunst – ich pfeife auf die Kunst»
Arthur Cravan im Ring mit 13 Künstlern unserer Zeit

Arthur Cravan, 1887 in Lausanne geboren, war ein Dadaist, bevor es Dada gab.
Er kam 1909 nach Paris und gab dort seit 1912 die Zeitschrift Maintenant (Jetzt) heraus, komplett in eigener Regie und nur mit Beiträgen aus seiner Feder: Gedichte, Reportagen, Kritiken, Dokumente und Falschmeldungen. Er war gleichzeitig ein passionierter Boxer, und so macht er sich bald einen Namen als der Mann, der einer scharfen Kritik zur Not mit der Faust Nachdruck zu verleihen weiß, wobei er vor allem den jungen Modernen und Avantgardisten auf die Nerven geht. Nicht weniger wirkungsvoll sind seine Gastspiele auf den großen und kleinen Bühnen des Nachtlebens der Stadt: boxend, tanzend und singend zerpflückt er im Folies Bergèreoder Noctambules die Werte seiner Zuhörer. Die Flucht vor dem Krieg bringt ihn nach Spanien. 1916 kämpft er in Barcelona gegen Jack Johnson, den ersten schwarzen Weltmeister im Schwergewicht, ein nicht weniger beeindruckend schöner Mann, der allerdings besser boxt. 1917 ist er in New York und soll der Kunstwelt, die ihre Ansichten modernisieren will, den „unabhängigen Künstler“ erklären. Wieder kommt es zum Kampf, diesmal mit der Security, die alles daran setzt, ihn von der Bühne zu zerren, weil er sich zu entkleiden begonnen hat. Marcel Duchamp – er hatte ihn eingeladen – und Picabia sind begeistert. Dann greift der Krieg auch in den USA nach seinem Kanonenfutter. 1918 geht Cravan illegal über die Grenze in den Süden. Mina Loy, eine bezaubernde Dichterin, folgt ihm. Sie heiraten in Mexiko City und wollen weiter nach Argentinien, doch er hat keine Papiere und muss es mit einem Boot übers Meer versuchen. Dort verliert sich seine Spur.

Der 8. Salon hat zusammen mit Bastiaan van der Velden eine Ausstellung organisiert, die eine Reihe von Originaldokumenten zeigt: Cravans Zeitschrift Maintenant, einige der wenigen Fotos, die es von ihm gibt, Poster, die den Boxkampf gegen Johnson ankündigen (wir danken der Collection David & Marcel Fleiss, Galerie 1900-2000, Paris, für ihre großzügige Unterstützung). Weiteres Material wird das historische Umfeld und die publizistische Wirkung des Boxer-Poeten sichtbar machen. Außerdem haben wir 13 Künstler unserer Zeit gebeten, die Erinnerung an Cravan zu unterstützen.
Wir können Werke zeigen von Rade Petrasevic und Josef Zekoff aus Wien, Tobias Hauser, Michel Würthle und Andy Hope 1930 aus Berlin, Jacqueline de Jong aus Amsterdam, Paul McCarthy aus Los Angeles, Manuel Ocampo aus Manila, Tal R aus Kopenhagen, Marcel Hüppauff aus Hamburg, Dorota Jurczak aus Honolulu und Christian Ertel aus Karlsruhe. Wir hoffen, mit diesen Künstlern einen „Ring“ zu schaffen, der in seinen Farben der Internationalität von Arthur Cravan einen angemessenen Rahmen schafft.

Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Edition Nautilus statt, die in diesem Jahr die Schriften von Arthur Cravan neu herausgegeben hat, sowie mit dem Restaurant Carmagnole, das uns zur Eröffnung mit einem ausgewählten Programm von Drinks versorgt.

Außerdem möchten wir auf die musikalische Lesung hinweisen, die am 22. November um 20.00 Uhr im Golem stattfinden wird: Arthur Cravan, Der König der verkrachten Existenzen, erschienen in der Edition Nautilus.

 

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